Agiles Projektmanagement – Fischer goes agile

Was haben agiles Projektmanagement und die Mondlandung gemeinsam? Viel mehr als man zunächst denken könnte. Wie der Keyspeaker Hagen Buchwald mit seinem Vortrag „SCRUMm on the Moon“ auf der Agile Bodensee Konferenz zeigte, war die Entwicklung des Lunar Modules (LM) der Apollo-Mission vor allem dank agiler Methoden erfolgreich. Doch was bedeutet agiles Projektmanagement eigentlich?

Das Agile Manifest

Agiles Projektmanagement basiert auf dem Agilen Manifest aus dem Jahr 2001. Es beschreibt vier zentrale Werte, die eine bessere Softwareentwicklung ermöglichen sollen:

  • Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge
  • Funktionierende Software ist wichtiger als umfassende Dokumentation
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden ist wichtiger als Vertragsverhandlung
  • Reagieren auf Veränderung ist wichtiger als das Befolgen eines Plans

Obwohl die Werte auf der linken Seite als wichtiger gelten, dürfen die Werte der rechten Seite nicht vernachlässigt werden. So wird eine funktionierende Software als wichtiger bewertet als die Dokumentation. Aber auch Letzteres darf nicht vergessen werden, denn was nützt eine funktionierende Software, wenn die Anwender nicht wissen, wie sie funktioniert?

Ergänzt wird das Agile Manifest durch 12 Prinzipien, die konkrete Handlungsempfehlungen für das agile Arbeiten liefern.

Klassisch vs. Agil

Fischer goes agile
Klassisches und agiles Projektmanagement im Vergleich

Worin liegt nun der große Unterschied zum klassischen Projektmanagement? Bei herkömmlichen Methoden ist der Projektumfang fest definiert. Aufwand und Zeit werden angepasst, um diesen Umfang zu erreichen.

Agiles Projektmanagement hingegen zeichnet sich dadurch aus, dass sowohl der Aufwand als auch der Zeitrahmen fix sind. So gab John F. Kennedy mit seiner Aussage “landing a man on the Moon and returning him safely to the Earth” die Aufgabe (den Aufwand) vor und die Deadline mit “before this decade is out”. Der Umfang ist hierbei eine variable Größe, die sich kontinuierlich ändert, da sich auch die Anforderungen im Verlauf des Projekts ändern. Änderungswünsche können daher problemlos berücksichtigt werden und bestimmen wesentlich den Umfang des Projekts.

SCRUM

A framework within which people can address complex adaptive problems, while productively and creatively delivering products of the highest possible value.

www.scrumguides.org/scrum-guide.html

Der Begriff SCRUM kommt eigentlich aus dem Rugby-Sport und bedeutet übersetzt Gedränge. Bei SCRUM handelt es sich um ein agiles Framework, das wir bei Fischer für die Entwicklung unserer Softwareprodukte einsetzen. Diese Methode ermöglicht es uns, unter Berücksichtigung der Kosten-Nutzen-Relation dem Kunden schnell ein funktionsfähiges Produkt zu liefern, das seinen Anforderungen und Wünschen entspricht.

Wie funktioniert das?

Fischer goes SCRUM

Wir bei Fischer unterteilen unsere Projekte in zeitliche Etappen, an deren Ende jeweils ein funktionsfähiges Zwischenprodukt stehen soll. Im nächsten Schritt werden Prioritäten auf Basis einer Kosten-Nutzen-Relation vergeben. D.h. es wird bestimmt, welche Elemente und Funktionen besonders wichtig sind und einen hohen Nutzen bieten. Auf diese Weise liegt bereits schnell ein nutzbares Produkt vor und wir behalten die Produktqualität stets im Fokus.

Am Ende einer jeden zeitlichen Einheit, eines sogenannten Sprints, haben unsere Kunden die Möglichkeit, das Zwischenergebnis zu testen und zu bewerten. Frühes Feedback hilft uns dabei, das Wesentliche im Blick zu behalten. Auf diese Weise werden nicht nur die Wünsche des Kunden berücksichtigt, sondern auch überflüssige Anforderungen eliminiert. Unnötiger Arbeitsaufwand wird vermieden und unsere Entwicklungsteams haben genügend Kapazitäten, um die Software anhand der Rückmeldungen weiterzuentwickeln. So ist jederzeit Raum für Abweichungen und geänderte Rahmenbedingungen können berücksichtigt werden.

Auch unsere Mitarbeiter profitieren von SCRUM: von Anfang an sind sie in die Ideen- und Entscheidungsfindung eingebunden. Wenige, leicht verständliche Regeln und kurze Kommunikationswege erleichtern den Arbeitsalltag. Unsere SCRUM-Teams organisieren sich selbst und können eigenverantwortlich arbeiten.

Immer agil bleiben

Seit vier Jahren haben wir die agile Methode SCRUM im Einsatz. Dabei versuchen wir unser Verhalten immer wieder zu reflektieren und an agilen Werten neu auszurichten. Der Nutzen liegt für uns auf der Hand und wir unterstützen die Agile Bodensee Konferenz als Sponsor aktiv. Wir nehmen selbst regelmäßig an der Konferenz für agile Softwareentwickler teil, um diese Prozesse kontinuierlich zu verbessern und uns mit anderen Unternehmen auszutauschen.

Dieses Jahr inspirierte uns der Vortrag „You can’t be agile if your code sucks“ von Peter Gfader dazu, uns noch stärker auf das Herzstück unserer Produkte zu konzentrieren: guter Software-Code. Konkret geht es dabei darum, Code konstant übersichtlich und up to date zu halten.

 “Good code is like a good joke – no need for explanation.”

Wie geht das? Der Speaker empfiehlt bereits bei der Sprintplanung genügend Zeit einzukalkulieren, um den Code innerhalb der Sprints zu pflegen und zu aktualisieren. Eine weitere Möglichkeit, um sich technisch auf dem Laufenden zu halten, sind Challenges: sich selbst eine Aufgabe stellen und innerhalb eines bestimmten Zeitraums Code generieren. Auf diese Weise bleibt das Entwicklungsteam “in Übung” und kann sich mit Technologien vertraut halten, die ansonsten eventuell zu kurz kommen.

Pair Programming, Mob Programming

Pair und Mob Programming zur Verbesserung der Arbeitsqualität.
Pair und Mob Programming zur Verbesserung der Codequalität

Schon mal etwas von Pair oder Mob Programming gehört? Auch das ist eine Möglichkeit, um die Arbeitsqualität zu verbessern. Zwei oder mehr Personen arbeiten dabei gleichzeitig am selben Code. Zwei Paar Augen sehen ja bekanntlich mehr als eines und fünf Paare sehen folglich noch mehr. Wir bei Fischer verwenden diese Methode insebondere bei komplexen Problemen.

Die kontinuierliche Zusammenarbeit und die Diskussion im Team führen dazu, dass Ideen erst dann umgesetzt werden, wenn alle Beteiligten einverstanden sind. Workarounds und Notlösungen, die niemanden wirklich zufriedenstellen, schaffen es so seltener in den Code. Die Codequalität steigt dadurch.

Weitere Vorteile:

  • Gute Einarbeitung neuer Teammitglieder
  • Einfacher Wissenstransfer im Team
  • Verstärktes Teambuilding

Von Gefühlen und Achtsamkeit: Theory-U

Ein Ansatz zu dem uns der Vortrag von Vera Linzbach-Hawlik auf der Agile Bodensee Konferenz inspierierte, ist die Theory-U. Kerngedanke dieser Theorie ist, dass die Art und Weise, wie wir uns als Einzelperson oder als Gruppe in eine Situation hineinbewegen, beeinflusst, wie sich eine Situation weiterentwickelt.

Der sogenannte U-Prozess von Otto Scharmer besteht aus drei Ebenen: Der Öffnung des Denkens (open mind), der Öffnung des Fühlens (open heart) und der Öffnung des Willens (open will). Die Theorie stellt einen Rahmen zur Verfügung, um bestehende Denkmuster und Verhaltensstrukturen zu druchbrechen. Aufmerksamkeit und Achtsamkeit helfen dabei, gemeinsam neue und innovative Problemlösungen zu finden.

Wesentliche Schritte sind das Beobachten, Wahrnehmen und Nicht-bewerten. Situationen werden aus verschiedenen Perspektiven und Blickwinkeln betrachtet. Eigene Gefühle und Bedürfnisse werden wahrgenommen: Wie geht es mir mit dieser Handlung? Was beflügelt mich bei der Arbeit? Vorurteile, Angst sowie innere Widerstände sollen zurückgelassen werden. Auf diese Weise entsteht Raum für neue Impulse und Gedanken.

Zugegeben, dieser Ansatz klingt ungewöhnlich, stellt aber eine Möglichkeit dar optimierte Prozesse zu schaffen, mit denen sich unsere Mitarbeiter noch mehr wohlfühlen und zugleich kreativer werden. Wir werden es wagen!

Fazit

Agile Projektmangementmethoden, die sich übrigens nicht nur in der Softwareentwicklung anwenden lassen, führen – richtig angewandt – zu effizienten Abläufen, motivierten Mitarbeitern und zufriedenen Kunden. Agile Methoden belohnen den Mut zur Veränderung und den Willen zur Verbesserung. Durch die konsequente Ausrichtung auf den Kunden und die Möglichkeit, sich flexibel an Veränderungen anzupassen, sind sie auch ein geeignetes Instrument bei der digitalen Transformation.

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